Akute Rückenschmerzen

Was bei akuten Rückenschmerzen hilft und wann ärztliche Abklärung nötig ist

Akute Rückenschmerzen können sehr stark sein und sind dennoch meist harmlos. Wenn keine ernsthafte Erkrankung festgestellt wurde, sind Bewegung und ein schrittweiser Aufbau der Aktivitäten meist hilfreicher als Schonung. Erfahren Sie, was Sie selbst tun können und bei welchen Warnzeichen Sie ärztliche Hilfe suchen sollten.
Bild von Maria Eggimann

Maria Eggimann

Physiotherapeutin am Inselspital Bern, Fachbereich Psychosomatik

Aufsuchen von Notfall oder Hausarzt wegen akuten Schmerzen

Waren Sie wegen Rückenschmerzen in der Hausarztpraxis oder auf dem Notfall, wurden gründlich untersucht und es wurde keine ernsthafte Wirbelsäulenerkrankung festgestellt? Obwohl die Schmerzen sehr stark sein können, sind dann keine weiteren Abklärungen oder Untersuchungen notwendig.

Die meisten Rückenschmerzen sind unspezifisch – das heisst, es lässt sich keine einzelne strukturelle Ursache dafür finden. Das ist erstmals eine gute Nachricht: Es bedeutet, dass Ihre Wirbelsäule stabil und belastbar ist, auch wenn es gerade schmerzt. Schmerz ist hier nicht gleichbedeutend mit einer Schädigung – Ihr Rücken nimmt durch Bewegung keinen Schaden.

Was können Sie jetzt tun?

Aktiv bleiben

  • Behalten Sie Ihre gewohnten Aktivitäten, inklusive Arbeit, so gut wie möglich bei – oder nehmen Sie diese rasch wieder auf.
  • Vermeiden Sie mehrtägige Bettruhe. Sie bringt nachweislich keinen zusätzlichen Nutzen und kann die Genesung eher verzögern.
  • Steigern Sie die Aktivität zu Beginn langsam. Legen Sie Pausen ein und wechseln Sie regelmässig Position und Tätigkeit.

In Bewegung kommen

  • Gehen und Spazieren sind von Anfang an sinnvoll – lieber kurze, dafür regelmässige, mehrmals tägliche Sequenzen.
  • Ideen für erste sanfte Bewegungen für den unteren Rücken finden Sie in diesem PDF vom Inselspital.
  • Sanfte Bewegungsformen dürfen Sie sobald wie möglich wieder aufnehmen: Gehen, Nordic Walking, Qi Gong, Pilates, sanftes Yoga, Schwimmen … Steigern Sie Ihre Aktivität wieder Schritt für Schritt.

Auf sich achten

  • Stressreduktion, Entspannungsübungen und Achtsamkeit können den Umgang mit den Schmerzen erleichtern.
  • Ein gesunder Lebensstil unterstützt die Selbstheilung: genügend Schlaf, regelmässige körperliche Aktivität, wenig Alkohol, Rauchstopp.
  • Vertrauen Sie Ihrem Körper: Er ist belastbarer, als der Schmerz es im Moment vermuten lässt.

Weitere Übungen

Übungen

Bei Schmerzen im unteren Rücken können Sie die hier aufgeführten Übungen zur Lockerung ausprobieren. Es handelt sich um sichere Übungen für Ihren Rücken. Bewegen Sie sich dabei locker und gleichmässig, und lassen Sie Ihren Atem frei fliessen. Gehen Sie nicht bis an die Grenze der Bewegung, sondern bleiben Sie im mittleren, angenehmen Bereich. Der Schmerz soll dabei gleichbleiben oder mit der Zeit weniger werden – nicht zunehmen. Führen Sie die Übungen, die sich neutral oder gut anfühlen, mehrmals täglich aus.

Die Videos kommen aus der App «INSELhealth – psychosomatic» und «INSELhealth – spinal surgery».

Wann zum Arzt?

Wann sollten Sie sich wieder bei Ihrer Hausärzt:in melden?

  • Wenn sich die Schmerzen deutlich verschlimmern oder nach 3–4 Wochen nicht bessern, melden Sie sich bei Ihrer Hausärzt:in. Besprechen Sie, ob es weitere Faktoren gibt, die die Heilung hindern.
  • Wenn Sie unsicher sind, wie Sie Ihre Belastbarkeit und Aktivität schrittweise wieder aufbauen können, kann Ihnen ambulante Physiotherapie helfen. Eine Verordnung dafür kann Ihnen Ihre Hausärzt:in ausstellen.

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn Folgendes neu auftritt:

  • Taubheitsgefühl im Bereich zwischen den Beinen/im Genitalbereich
  • Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
  • Zunehmende Schwäche, Kraftlosigkeit oder Taubheit in einem oder beiden Beinen oder Armen
  • Fieber, massiver Nachtschweiss oder ungewollter Gewichtsverlust in Kombination mit den Rückenschmerzen
  • Starke Rückenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall