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Maria Eggimann

Physiotherapeutin am Inselspital Bern, Fachbereich Psychosomatik

Schmerz und Migration

Relevanz für die Praxis

Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen weisen häufig chronische Schmerzen und komplexe gesundheitliche Belastungen auf. Studien zeigen Hinweise darauf, dass insbesondere chronische muskuloskelettale Schmerzen in diesen Bevölkerungsgruppen oftmals gemeinsam mit erheblichen psychosozialen Belastungen einhergehen.1

Erhöhtes Risiko für Unterversorgung

Vulnerable Bevölkerungsgruppen, darunter auch Überlebende von Folter und Krieg, haben ein erhöhten Risiko für eine unzureichende Schmerzdiagnostik und Schmerzbehandlung.2

In der Versorgung von Geflüchteten liegt der Schwerpunkt oft auf psychische Erkrankungen und psychologische Interventionen. Die Diagnostik und Behandlung chronischer Schmerzen sowie ein angemessenes Schmerzmanagement erhalten dagegen zu wenig Aufmerksamkeit.3, 4

Biopsychosoziale Mechanismen im Migrationskontext

Chronische Schmerzen werden im biopsychosozialen Modell als Ergebnis eines Zusammenspiels biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren verstanden. Im Kontext von Migration und Flucht wirken diese Faktoren vor, während und nach Migration. Die in diesen Phasen auftretenden Belastungen können sich kumulieren und das Risko für Schmerzchronifizierung zusätzlich erhöhen. Bei Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrungen können somit belastende Erfahrung aus diesen Bereichen über den gesamten Migrationsverlauf zur Entstehung, Aufrechterhaltung und Chronifizierung von Schmerzen beitragen.3 Biologische Faktoren:
  • körperliche Verletzungen in Folge von Krieg, Folter- und Fluchterfahrungen3
  • unterbrochene oder unzureichende medizinische Versorgung3, 5
  • erhöhte Wahrscheinlichkeit von unbehandelten Erkrankungen2, 3
Psychologische Faktoren: Häufig assoziierte psychische Belastungen sind:
  • Depressionen und Angststörungen2, 6 – vorbestehend oder im Rahmen der Migration entstanden
  • Posttraumatischer Stress, einschliesslich posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)
Soziale Faktoren:
  • unsicherer Aufenthaltsstatus3
  • soziale Isolation und Trennung von Familie, sozialem und kulturellem Bezugssystem3
  • Armut, Arbeitslosigkeit, eingeschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt3
  • Sprachbarrieren und erschwerter Zugang zum Gesundheitssystem5
  • Diskriminierung und Integrationsbarrieren4

Implikationen für Fachpersonen

  • Kenntnis und Anwendung des biopsychosozialen Modells
  • Soweit möglich direkt multimodale interdisziplinäre Behandlung (Kulturelle und sprachliche Grenzen beachten und bei Indikation berücksichtigen!)
  • Trauma-informierte Versorgung
  • Aneignen Kompetenzen in kultursensibler Kommunikation8
  • Einsatz von Dolmetschenden und kultureller Vermittlung (z. B. Interpret und arge verdi)9
  • Einbindung und Zusammenarbeit mit Flüchtlings-/Communityorganisationen (z. B. SRK und Schweizerische Flüchtlingshilfe)4, 10

Infothek

Weiterführende Informationen zum Thema Schmerz und Migration

Beitrag für:

Chronische Schmerzen als Folge von Folter

Factsheets zu Diagnostik, Beurteilung und interdisziplinärer Behandlung von Folterüberlebenden mit chronischen Schmerzen
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Dem Schmerz die Stirn bieten

Das ganze Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten
Beitrag für:

Pain in Refugee and Displaced Populations

Factsheet

Quellen

1Tsetseri MN, Keene DJ, Silman AJ, Dakin SG. Exploring the burden, prevalence and associated factors of chronic musculoskeletal pain in migrants from North Africa and Middle East living in Europe: a scoping review. BMC Public Health. 12. März 2024;24(1):769. doi:10.1186/s12889-023-17542-2

2Pain in Refugee and Displaced Populations. International Association for the Study of Pain (IASP) [Internet]. [zitiert 25. Mai 2026]. Verfügbar unter: https://www.iasp-pain.org/resources/fact-sheets/pain-in-refugee-and-displaced-populations/

3Amris K, Jones LE, Williams ACDC. Pain from torture: assessment and management. PAIN Rep. November 2019;4(6):e794. doi:10.1097/PR9.0000000000000794

4Bilney EVM, Vasenius M, Mitchell J, Downing J, Francois PM, McCall S, u. a. Barriers to optimal chronic pain management in refugees: a scoping review. BMC Public Health. 13. Januar 2026;26(1):533. doi:10.1186/s12889-026-26206-w

5Health of refugees and migrants – WHO European Region (2018) [Internet]. [zitiert 25. Mai 2026]. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/health-of-refugees-and-migrants—who-european-region-(2018)

6Blackmore R, Boyle JA, Fazel M, Ranasinha S, Gray KM, Fitzgerald G, u. a. The prevalence of mental illness in refugees and asylum seekers: A systematic review and meta-analysis. PLoS Med. September 2020;17(9):e1003337. doi:10.1371/journal.pmed.1003337 PubMed PMID: 32956381; PubMed Central PMCID: PMC7505461.

7Teodorescu DS, Heir T, Siqveland J, Hauff E, Wentzel-Larsen T, Lien L. Chronic pain in multi-traumatized outpatients with a refugee background resettled in Norway: a cross-sectional study. BMC Psychol. Dezember 2015;3(1):7. doi:10.1186/s40359-015-0064-5

8Lau LS, Rodgers G. Cultural Competence in Refugee Service Settings: A Scoping Review. Health Equity. 1. März 2021;5(1):124–34. doi:10.1089/heq.2020.0094

9Handtke O, Schilgen B, Mösko M. Culturally competent healthcare – A scoping review of strategies implemented in healthcare organizations and a model of culturally competent healthcare provision. PloS One. 2019;14(7):e0219971. doi:10.1371/journal.pone.0219971 PubMed PMID: 31361783; PubMed Central PMCID: PMC6667133.

10Haoussou K. When your patient is a survivor of torture. BMJ. 9. November 2016;i5019. doi:10.1136/bmj.i5019