Vertiefungswissen

Strategien und Konzepte zur Vorbeugung chronischer Schmerzen

Chronische Schmerzen lassen sich am effektivsten verhindern, wenn Prävention als ganzheitlicher Ansatz verstanden wird. Unser Vertiefungswissen zeigt, wie primäre, sekundäre und tertiäre Massnahmen wirken, welche Risikofaktoren frühzeitig erkannt werden sollten und wie eine interdisziplinäre Behandlung langfristige Folgen minimiert.

Was bedeutet Prävention chronischer Schmerzen?

Prävention ist nur möglich, wenn chronische Schmerzen als Erkrankung im gesamtgesellschaftlichen Kontext gesehen werden. Um eine Chronifizierung von Schmerzen zu verhindern, müssen neben einer adäquaten Behandlung von akuten Schmerzen auch frühzeitig psychosoziale Belastungsfaktoren erkannt werden.

Da chronische Schmerzen bisher als Erkrankung kaum beachtet wurden, gibt es wenig Literatur zur Prävention dazu. Diese wurde im Rahmen eines Global Years for Prevention of Pain von der IASP 2020 in verschiedenen Factsheets aufgearbeitet und zusammengestellt. Darauf beruht auch das Modell, wie die klassische Einteilung von primärer, sekundärer und tertiärer Prävention auf die Prävention chronischer Schmerzen übertragen werden kann (Abb. 1).

Schmerzprävention

Die Grundlage der primären Schmerzprävention bilden allgemeine Massnahmen zur Stärkung der Gesundheit. Dazu zählen Empfehlungen zu regelmässiger Bewegung und gesunder Körperhaltung, einer gesunden Ernährung und ausgeglichenen Gewichtbilanz, zur Verringerung eines ungesunden Lebensstils inklusive Reduktion von Suchtmitteln und eines angemessenen Stressmanagements. Mittels der Primärprävention sollen zudem akute Schmerzen direkt so behandelt werden, dass sie kontrolliert sind und innerhalb weniger Tage besser werden und verschwinden. Den möglichen ursächlichen Krankheitsfaktoren sollen vor deren Entstehung entgegengewirkt werden, wie zum Beispiel mit Unfallprävention, allgemein Stärkung der Resilienz, aber auch Sensibilisierung auf Risikofaktoren für chronische Schmerzentwicklung.

Die Sekundärprävention hat zum Ziel, den Übergang von akuten in chronische Schmerzen vorzubeugen indem Risikofaktoren für eine Chronifizierung erkannt und rechtzeitig in der Behandlung mitberücksichtigt werden. Nach drei Monaten anhaltenden Schmerzen wird eine interdisziplinäre Evaluation und multimodale Schmerztherapie empfohlen.

Die Massnahmen in der Tertiärprävention beinhalten die Verringerung von Folgen von chronischen Schmerzen wie zum Beispiel der komplette soziale Rückzug oder Schmerzmittelabhängigkeit. Die Grundsätze einer adäquaten biopsychosozialen Schmerztherapie sind ein gutes Schmerz-Management und der Wiederaufbau oder Erhalt der Funktionalität. Gleichzeitig soll die physische, psychische und soziale Verfassung von Patient:innen ausbalanciert und verbessert, sowie der Schmerzmittelgebrauch reduziert werden. Dies kann dann optimalerweise im Rahmen einer interprofessionellen multimodalen Schmerztherapie in einem ambulanten Programm oder auch stationär erfolgen.

Abb. 1: Präventionsmodell © PrePaC