Bild von Simone Reiser

Simone Reiser

Projektleitung Schuldenprävention, Soziale Dienste, Stadt Zürich

Schmerzen und Geld

Früh darüber sprechen und Schulden verhindern

Schmerzen können das Leben stark verändern. Sie belasten nicht nur den Alltag, sondern oft auch die berufliche und finanzielle Situation. Gleichzeitig können die Kosten für Behandlungen, Medikamente oder Versicherungen steigen.

Rechnungen, Formulare und Briefe von Versicherungen können zusätzlich belasten. Geldsorgen verursachen häufig Stress – und Stress kann Schmerzen verstärken. So können sich Schmerzen und finanzielle Probleme gegenseitig beeinflussen und verschlimmern. Darum ist es wichtig, früh über Geld zu sprechen.

Tipps für Fachpersonen

Viele Menschen sprechen nicht von selbst über Geldprobleme. Sie schämen sich. Gleichzeitig sind Krankheit und Unfall wichtige Gründe für Überschuldung. Darum ist es wichtig, Menschen mit Schmerzen auch auf Geld anzusprechen. Fachpersonen können zum Beispiel fragen:

  • Hat sich Ihre finanzielle Situation wegen der Schmerzen verändert?
  • Ist Geld aktuell ein Thema für Sie?
  • Haben Sie offene Rechnungen?
  • Haben Sie Schulden oder Betreibungen?
  • Können Sie Ihre Krankenkassenprämie bezahlen?
  • Haben Sie Prämienverbilligung beantragt?
  • Haben Sie Ordnung in Ihren Unterlagen?
  • Möchten Sie Unterstützung?

 

Wenn jemand Geldsorgen hat, ist frühe Hilfe wichtig. Fachpersonen können an passende Stellen weiterleiten. Zum Beispiel an eine Sozialberatung, Budgetberatung oder Schuldenberatung.

Was ich als Betroffene:r selber tun kann

Verzichten Sie nicht auf ärztliche und therapeutische Behandlungen

Auch wenn Ihre finanzielle Situation schwierig ist, ist es wichtig, ärztliche Behandlungen und notwendige Therapien in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie Geldsorgen haben, besprechen Sie sich mit einer Vertrauensperson, wenden Sie sich an Ihre Krankenversicherung, eine Beratungsstelle oder direkt an Ihre Hausarztärztin oder Ihren Hausarzt. Oft gibt es Lösungen. Zum Beispiel durch eine Prämienverbilligung, Ratenzahlungen oder weitere Unterstützungsangebote.

Suchen Sie bei starken Beschwerden oder in einem Notfall sofort medizinische Hilfe auf!

Reden Sie über Geld

Geldsorgen sind häufig. Besonders, wenn Schmerzen den Alltag und die Arbeit erschweren. Sprechen Sie mit jemandem darüber. Zum Beispiel mit Freund:innen, Familie, Ärzt:innen, Arbeitgeber:in, Sozialberatung oder einer Beratungsstelle. Um die psychische Gesundheit zu stärken, können Sie die Dargebotene Hand anrufen. Auch pro mente sana bietet kostenlosen Rat in schwierigen Zeiten.

Holen Sie Unterstützung

Wenn Sie Rechnungen nicht bezahlen können, warten Sie nicht zu lange. Melden Sie sich früh bei einer Beratungsstelle. Hilfe gibt es zum Beispiel bei einer Budgetberatung, Schuldenberatung, beim Sozialamt oder bei Money Chat.

Ordnen Sie Ihre Dokumente

Sammeln Sie wichtige Unterlagen an einem Ort. Zum Beispiel: Rechnungen, Arztzeugnisse, Briefe der Krankenversicherung, Lohnabrechnungen und so weiter. So behalten Sie den Überblick. Sie können schneller reagieren und verpassen weniger Fristen. Idee und Video-Anleitung für ein Ordnungssystem finden Sie auf Money Chat.

Kümmern Sie sich um die Krankenversicherung

Prüfen Sie, ob Sie Anspruch auf Prämienverbilligung haben. Das kann Ihre Krankenkassenprämie senken. Schauen Sie auch Ihre Franchise und den Selbstbehalt genau an. Erwartet man im Folgejahr hohe Arztrechnungen, kann es sich lohnen, die Franchise auf das Minimum zu reduzieren. Und: Reichen Sie Rechnungen und Belege immer bei der Krankenversicherung ein, auch dann, wenn die Franchise noch nicht erreicht ist.

Reduzieren Sie Ihr Arbeitspensum nicht vorschnell

Wenn Sie aufgrund von Schmerzen oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung weniger arbeiten können, reduzieren Sie Ihr Arbeitspensum nicht eigenständig. Sprechen Sie zuerst mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.
Die Ärztin oder der Arzt prüft, ob Ihre Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Falls dies der Fall ist, kann ein Arztzeugnis ausgestellt werden. Darin wird festgehalten, in welchem Umfang Sie aktuell arbeitsfähig sind.
Dies ist wichtig, weil eine freiwillige oder zu frühe Reduktion des Arbeitspensums später Nachteile haben kann. Unter Umständen erhalten Sie dadurch geringere Leistungen von Versicherungen, beispielsweise vom Krankentaggeld, von der Pensionskasse oder von der Invalidenversicherung.

Wichtige Links

  • Money Chat: Kostenlose und vertrauliche Beratung und Informationen zu Geldfragen
  • Budgetberatung: Hilfe beim Erstellen eines Budgets
  • Schuldenberatung: Professionelle Hilfe bei Schulden
  • Geld-Kompass: Informationen für Fachpersonen zum Thema finanzielle Gesundheit
  • Geld-Presse: Newsletter zum Thema Geld, Prävention und Gesundheitsförderung