Tipp von und für Schmerzbetroffene
Fachpersonen findet man oft über Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld, Selbsthilfegruppen oder durch eigene Recherche, etwa im Internet oder bei der Krankenkasse. Hilfreich ist es, sich gut vorzubereiten, Symptome zu dokumentieren und bei Bedarf aktiv eine Zweitmeinung oder einen Wechsel der Fachperson einzufordern. Wichtig ist zudem, auf das eigene Gefühl zu achten und eine Fachperson zu wählen, die zuhört, ernst nimmt und gemeinsam Lösungen erarbeitet.
Tipp für Fremdsprachige
Fremdsprachige Schmerzbetroffene können passende Fachpersonen finden, indem sie gezielt nach mehrsprachigen Angeboten suchen – etwa über die Krankenkasse, spezialisierte Verzeichnisse oder Beratungsstellen für Migrant:innen. Auch Dolmetschdienste, interkulturelle Vermittlungsstellen oder Empfehlungen aus der eigenen Community können helfen, sprachliche Hürden zu überwinden. Wichtig ist, eine Fachperson zu wählen, bei der Verständigung möglich ist und man sich ernst genommen fühlt – notfalls mit Unterstützung durch eine Begleitperson oder Übersetzung.
Expert:innen-Verzeichnisse
Kostenübernahme
Wir empfehlen die vorgängige Klärung der Kostenübernahme mit Ihrer Krankenversicherung.
Ergotherapeut:innen
Speziell ausgebildete Therapeut:innen, die Menschen dabei unterstützen, ihre Handlungsfähigkeit im Alltag (z. B. Körperpflege, Haushalt, Beruf) zu erhalten, wiederzuerlangen oder zu verbessern. Bei chronischen Schmerzen berücksichtigen sie biopsychosoziale Faktoren und erarbeiten gemeinsam mit der Person alltagsnahe Strategien zur Schmerzreduktion und besseren Durchführung täglicher Aktivitäten, inklusive Energie- und Pausen-Management, Gelenkschutz und Anpassung von Gewohnheiten.
Hausärzt:innen
Erste Anlaufstelle für Überweisungen an Therapeuten und Spezialistinnen. Unabhängig von Ihrem Versicherungsmodell, kennt Ihr:e Hausärzt:in Ihre Patientengeschichte am besten und kann Ihnen mögliche Unterstützungsangebote vermitteln.
Manuelle Therapeut:innen / (Schmerz-) Physiotherapeut:innen
Speziell ausgebildete Physiotherapeut:innen, die Funktionsstörungen des Bewegungsapparates untersuchen und behandeln. Sie verfügen über vertiefte Kenntnisse im Umgang mit akuten und chronischen Schmerzen und berücksichtigen dabei auch die Schmerzverarbeitung des Nervensystems, um Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu verbessern.
Schmerzspezialist: innen
Arzt/Ärztin mit Zusatz-Weiterbildung «Spezielle Schmerztherapie» mit der Spezialisierung auf die interdisziplinäre Diagnose und Behandlung chronischer Schmerzen.
Sozialarbeit / Case Management
Die aktuelle Situation kann herausfordernd sein – insbesondere bei Themen wie Terminkoordination, Krankschreibung oder einem IV-Gesuch. In solchen Fällen können Sozialarbeiter:innen und Case Manager:innen entlastend unterstützen. Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber oder Ihrer Krankenversicherung über vorhandene Unterstützungsangebote.
Zur Übersicht kann Ihnen unser Wegweiser helfen.
Hinweis
Ein Psychologe verfügt über ein abgeschlossenes Studium der Psychologie, ist jedoch nicht zwingend in der Beratung oder Therapie tätig. Diese Kosten werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen.
Psychotherapeut:innen haben ebenfalls Psychologie studiert und zusätzlich eine anerkannte Weiterbildung absolviert; sie arbeiten therapeutisch mit Klient:innen. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen, sofern eine entsprechende Verordnung durch die hausärztliche Fachperson vorliegt.
Psychiater:innen sind Ärzt:innen mit medizinischer Ausbildung und haben die Befugnis, Medikamente zu verschreiben.
Psychosomatiker:innen sind Ärzt:innen mit medizinischer Ausbildung und einer zusätzlichen Weiterbildung in Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie. Sie befassen sich mit dem Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Beschwerden und behandeln sowohl psychische als auch somatische Aspekte einer Erkrankung.
Psychosomatiker:
innen
Nicht alle Beschwerden lassen sich eindeutig einem rein körperlichen oder rein psychischen Bereich zuordnen. Wenn körperliche Symptome und seelische Belastungen eng miteinander verknüpft sind oder sich gegenseitig beeinflussen, kann die psychosomatische Medizin besonders geeignet sein. Psychosomatiker:innen betrachten sowohl die körperlichen Befunde als auch die psychische Situation und können beides in die Behandlung einbeziehen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn anhaltende körperliche Beschwerden bestehen, mehrere Organsysteme betroffen sind oder bereits medizinische Abklärungen erfolgt sind, ohne dass sich die Symptome ausreichend erklären oder lindern liessen.
Psycholog:innen und Psychotherapeuten:innen
Es kommt vor, dass Ärzt:innen keine eindeutige organische Ursache finden und deshalb empfehlen, eine Psycholog:in oder Psychotherapeuten:in aufzusuchen. Das bedeutet nicht, dass die Schmerzen psychisch oder eingebildet sind – chronische Schmerzen sind real und körperlich. Sie können jedoch das Nervensystem und die Schmerzverarbeitung verändern. Eine psychologische Begleitung kann dabei helfen, diese Prozesse positiv zu beeinflussen und Wege zu finden, die Schmerzintensität zu reduzieren. In Fällen, in denen keine körperliche Erkrankung gefunden wurde und der Schwerpunkt klar auf der psychischen Verarbeitung liegt, ist eine psychotherapeutische Behandlung oft geeigneter als eine psychosomatische Abklärung.
Ergänzende Therapien
Diese Liste ist nicht abschliessend. Sprechen Sie mögliche ergänzende Therapien im Vorfeld mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ab.
Akupunktur
Akupunktur kann bei chronischen Schmerzen helfen, indem sie über Nadelreize das Nervensystem aktiviert, körpereigene schmerzlindernde Botenstoffe freisetzt und Muskelverspannungen löst. Aus Sicht der TCM unterstützt sie zudem den Ausgleich des Qi-Flusses und fördert die Selbstregulation des Körpers. Bei anerkanntem Fähigkeitsausweis „Akupunktur“ eines Arztes / einer Ärztin, werden die Kosten von der Grundversicherung übernommen.
Naturheilkunde
Die Seite der deutschen Schmerzgesellschaft bietet umfassende Informationen zu naturheilkundlichen Verfahren, die ergänzend zur Schmerztherapie eingesetzt werden können. Sie beschreibt verschiedene Methoden, wie Akupunktur, Phytotherapie und Homöopathie, die zur Schmerzlinderung beitragen können.
Shiatsu
Shiatsu kann bei chronischen Schmerzen helfen, indem es die Durchblutung fördert und Verspannungen im Körper löst. Durch gezielte Drucktechniken werden die Selbstheilungskräfte aktiviert, was zu einer Linderung von Schmerzen und einem allgemeinen Wohlbefinden führt. Diese ganzheitliche Methode unterstützt zudem die Entspannung und kann Stress abbauen, was ebenfalls schmerzlindernd wirkt.
Hypnose
Hypnose kann bei chronischen Schmerzen helfen, indem sie die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzsignalen im Gehirn verändert. Durch tiefe Entspannung und gezielte Suggestionen wird das Nervensystem beruhigt, wodurch Schmerzintensität und Stress sinken können. Zudem fördert Hypnose ein besseres Körperbewusstsein und stärkt die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Triggerpunkt Therapeuten:innen
Fachleute, die myofasziale Triggerpunkte (schmerzhafte Verhärtungen) in der Muskulatur mit gezielten Techniken wie Druck, Nadeln oder Stosswellen behandeln.
Weitere involvierte Expert:innen
Medizinische:r Praxiskoordinator:in – MPK
Ein:e Medizinische:r Praxis-Koordinator:in (MPK) übernimmt im Zusammenhang mit Schmerz vor allem organisatorische und qualitätssichernde Aufgaben: MPK’s sorgen dafür, dass Abläufe rund um Schmerzabklärung, -dokumentation und -behandlung strukturiert, effizient und patientenorientiert funktionieren. Zudem koordinieren sie Termine, stellen die Kommunikation zwischen Patientinnen, Ärzteschaft und weiteren Fachpersonen sicher und achten darauf, dass Leitlinien und Standards im Schmerzmanagement im Praxisalltag konsequent umgesetzt werden.
Pflegefachpersonen / Pain Nurse
Ein:e Pain Nurse spezialisiert sich auf das professionelle Management komplexer Schmerzsituationen: Sie beurteilt Schmerzen differenziert, koordiniert interprofessionelle Behandlungen und entwickelt wirksame, evidenzbasierte Schmerzkonzepte. Im Unterschied dazu arbeitet eine allgemeine Pflegefachperson breiter gefasst: Sie betreut Patienten:innen in vielen gesundheitlichen Situationen, ohne zwingend eine vertiefte Weiterbildung im Schmerzmanagement zu haben.